Donnerstag, 03. April 2025
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Hundeauslauf auf dem Dach des Spreewaldbades?

Spreewaldbad in Kreuzberg

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg vermeldete am 28.März 2018 ein Ergebnis der Bürger*innenbeteiligung zur Forderung nach einem Hundeauslauf im Kiez. Demnach soll im Görlitzer Park „… ein umzäunter Hundeauslauf auf dem Dach des Spreewaldbades entstehen.“ Auch der Tagesspiegel Newsletter für Friedrichshain-Kreuzberg schloß sich kritiklos der Meldung an.

In der Pressemitteilung verlautet weiter:

„Das ist das Ergebnis eines mehrmonatigen Dialogprozesses, den der Gründungsrat und der Parkmanager des Görlitzer Parks mit Anwohner*innen und Nutzer*innen durchgeführt haben. Der künftige Hundeauslauf ist rund 800 m² groß und soll mit Holzstämmen, Müllbehältern und Steinen ausgestattet werden. Die genaue Gestaltung wird von einem Planungsbüro gemeinsam mit der organisierten Hunde-Initiative erarbeitet.

Eine weitere Neuerung wurde bereits umgesetzt: Die Kuhle wird in den Morgenstunden zwischen 6 und 10 Uhr für den Hundeauslauf geöffnet. Diese wurde bereits am 22. Dezember 2017 im Amtsblatt vermeldet. Das Ordnungsamt wird in dieser Zeit in diesem Bereich unangeleintes Hundeführen nicht ahnden. Von den Hundehalter*innen wird erwartet, dass diese sich außerhalb dieser Zeit und in den anderen Teilen des Parks an die Leinenpflicht halten.

Das Vorhaben gilt als Modellprojekt, das auf ein Jahr angelegt ist. In diesem Jahr werden der Gründungsrat und der Parkmanager die neue Situation beobachten und evaluieren. Die Hunde‐Initiative Görlitzer Park, die sich momentan in Vereinsgründung befindet, wird vierteljärlich zu öffentlichen Sitzungen einladen, um mögliche Einwände von Nutzer*innen frühzeitig erkennen und diskutieren zu können. Zu diesen Sitzungen werden auch der Gründungsrat und der Parkmanager eingeladen. Nach Abschluss des einjährigen Modellversuches werden alle Beteiligten das Projekt evaluieren.“

Hunde in der Stadt – nicht nur in Kreuzberg ein Problem

Hintergrund des Vorhabens ist, dass sich viele Parkbesucher*innen aufgrund freilaufender Hunde im Görlitzer Park fühlen gestört und von den Hunden belästigt fühlen. Gleichzeitig kritisieren Hundebesitzer*innen mangelnde Möglichkeiten zum freien Auslauf ihrer Hunde. Die nächstgelegenen Hundeausläufe sind momentan in der Hasenheide (3 km entfernt) oder im Volkspark Friedrichshain (6 km entfernt) zu finden.

Bei den Beteiligten herrscht noch Optimismus, weil man mit der angestrebten Lösung den Konflikt aus dem Park herauslösen kann:

„Diese Zusammenarbeit aus Hunde-Initiative, Gründungsrat und Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zeigt die positive Richtung einer partizipativen Mitgestaltung im Park, an welcher zukünftig angeknüpft werden soll.“

Spreewaldbad am Görlitzer Park
Spreewaldbad am Görlitzer Park mit Dachlanschaft – Foto: Screenshot Google-Map 2018 Google Inc.

Konfliktvwerlagerung zu Lasten eines Dritten

Die Konflikverlagerung aus dem Park auf das Dach des Spreewaldbades könnte sich als „konstruktivistische Träumerei“ herausstellen, denn die Berliner Bäderbetriebe haben als Betrieb der öffentlichen Daseinsvorsorge ein entscheidendes Wort mitzureden. Paul Watzlawik hat vor Jahrzehnten schon von „Patendlösungen“ gewarnt. Eine Patendlösung ist „eine Lösung, die so patent ist, dass sie nicht nur das Problem, sondern auch alles damit Zusammenhängende aus der Welt schafft.“

Ein Blick auf die aktuelle Dachlandschaft zeigt, dass hier nicht nur eine Fläche besteht, die „architektonische Zwiesprache mit den Sternen hält“, sondern ganz krude Funktionen erfüllt. Automatisch öffnende Dachfenster, Lüfter und Blitzschutzanlagen nehmen die Dachfläche ein. Die Dachkanten des Spreewaldbades haben darüberhinaus keine Absturzsicherungen. Das Planungsbüro stellt sich womöglich einer unlösbaren Aufgabe und kann sich nun mit neuen „Lastfällen der Dachflächennutzung herumschlagen.

Auf die Antwort der Berliner Bäderbetriebe darf man nun sehr gespannt sein.